Rund um das Leben

Mein Unterbewusstsein – manchmal Engel, meist aber Teufel

Irgendwie ist gerade eine Schaffenspause, was meine sonstigen kreativen Hobbys betrifft – außer mit dem Fotoapparat bin ich gerade nicht so häufig mit Herstellungsprozessen von Kreativem beschäftigt. Dafür habe ich doch tatsächlich das Lesen wiederentdeckt und festgestellt, dass mir das auch sehr gut tut und meinen Geist beruhigt bzw. ablenkt. Apropros Geist – der geht mir manchmal auf denselben, das kann ich Euch sagen!

Definition „Geist“:

Bezogen auf die allgemeinsprachlich „geistig“ genannten kognitiven Fähigkeiten des Menschen bezeichnet „Geist“ im Sinne von „Psyche“ das Wahrnehmen und Lernen ebenso wie das Erinnern und Vorstellen sowie Phantasieren und sämtliche Formen des Denkens (des „Verstands“ oder der „Vernunft“) wie Überlegen, Auswählen, Entscheiden, Beabsichtigen und Planen, Strategien verfolgen, Vorher- oder Voraussehen, Einschätzen, Gewichten, Bewerten, Kontrollieren, Beobachten und Überwachen, die dabei nötige Wachsamkeit und Achtsamkeit sowie Konzentration aller Grade bis hin zu hypnotischen und sonstigen tranceartigen Zuständen auf der einen und solchen von Überwachheit und höchster Geistesgegenwärtigkeit auf der anderen Seite.

Definition des Begriffs „Geist“ in Wikipedia

Für mich gibt es allerdings einen krassen Unterschied zwischen meinem Verstand und meinem Geist = Unterbewusstsein – insofern widerspreche ich Wikipedia hier. Mit dem Verstand denke ich bewusst und der Geist spricht für sich und redet mir unterbewusst so manch sinnvolles oder auch blödsinniges Zeug ein. Allerdings kann das eine nicht ohne das andere existieren, denn ohne meinen Verstand würde ich ja die Ergüsse meines Geistes nicht bewusst machen können.

Ich erhebe hier übrigens nicht den Anspruch der wissenschaftlichen Richtigkeit meiner Ausführungen – was ich hier beschreibe, ist rein umgangssprachlich und das, was ich persönlich empfinde.

Ein Engel

Zunächst mal die positive Seite meines (manchmal komischen) Unterbewusstseins. Das zwingt mich nach anstrengenden Arbeitstagen aufs Sofa, obwohl ich mir vorgenommen habe, noch so einiges vermeintlich „Sinnvolles“ zum Beispiel im Haushalt zu machen. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es mir nach diesen „Sofasessions“ tatsächlich besser geht und ich danach wieder genug Energie habe, um die sinnvollen Sachen später mit mehr oder weniger Motivation anzugehen.

Oder wenn mein Verstand mir sagt, dass ich mich doch ruhig noch verabreden kann oder was unternehmen kann, aber irgendwas mich daran hindert und mich „einen Ruhigen“ machen lässt. Früher habe ich auf diese innere Stimme nicht gehört und mich gefragt, warum ich mich so platt fühle. Jede Aktivität dieser Art macht ja Spaß und daher habe ich Spaß mit Erholung verwechselt. Heute passiert mir das nicht mehr so häufig und ich kann das unterscheiden. Also tut mein Unterbewusstsein meinem Körper doch ganz gut.

Außerdem kennt Ihr das wahrscheinlich auch: eine Entscheidung ist fällig und ich entscheide unterbewusst mit meinem sogenannten Bauchgefühl innerhalb von Sekunden. Dann setzt mein Verstand ein und das Unglück nimmt seinen Lauf. Zumindest bei mir ist es so, dass in den meisten Fällen der erste Instinkt richtig lag. Zum Beispiel entscheide ich ganz spontan über ein Ziel bzw. über eine Aktivität mit der Familie. Und danach kommt dann mein sogenannter Verstand und meint, er müsse mir ständig widersprechen. Wäre eine Radtour statt einer geplanten Wanderung nicht besser? Ist die Wanderung nicht vielleicht zu langweilig für die Kinder? Lohnt sich die Fahrt dahin überhaupt? Ist es nicht schon zu spät zum losfahren? Diese Aufzählung könnte ich endlos fortführen. Inzwischen höre ich immer häufiger auf diese spontanen Aktionen meines Geistes und muss sagen, es fühlt sich gut an. Ich verbiete meinem Verstand, das anzuzweifeln! Und er hält inne und ist still!

Ein Teufel

Meist aber nervt mich diese innere Stimme, die ständig in meinem Kopf vor sich hin plappert. Die sagt mir nämlich ganz schön viel offensichtlichen Blödsinn. Man nennt dieses Gequatsche auch oft „Glaubenssätze“. So sagt mir dieser Teufel, dass ich unmöglich erst was Schönes machen kann, bevor ich nicht meine sogenannten Pflichten erledigt habe. Ganz nach dem Motto: „Erst die Pflicht und dann das Vergnügen“. Das ist ja manchmal gar nicht so falsch, allerdings dann doof, wenn mein „Geist“ das auch dann sagt, wenn gar keine Pflichten anstehen. So suche ich dann welche, um die Rechtfertigung dafür zu haben, später meine Freizeit mit einem Hobby oder ähnlichem zu verbringen. Einfach irre, sag ich Euch!

Oder dass ich nur dann zufrieden sein kann, wenn ich an einem z.B. freien Tag etwas „gemacht“ habe. Wenn ich abends also aufzählen kann, dass ich produktiv war, sorgt diese Stimme für ausgiebige Zufriedenheit. Nix tun dagegen wird aufs Schärfste verurteilt. Und es ist dem Unterbewusstsein schnurz, was ich aufzähle. Bügeln, saugen, Wäsche machen, Garten richten, aufräumen oder ähnliche super spannende Dinge findet es besonders sinnvoll. Sinnvoll mögen sie sein, Sinn stiftend sind sie sicherlich mal so gar nicht.

Das Wort „MUSS“ wird im wahrsten Sinne des Wortes in meinem Unterbewusstsein groß geschrieben. Ich muss aufräumen, putzen oder sonstige ähnlich tolle Dinge tun! Nein, ich muss nicht, ich möchte, wenn ich es schön haben will. Ich muss schlank sein! Nein, müsste ich auch nicht, möchte ich aber. Ich muss gemocht werden! Nein, ich mag doch auch nicht jeden. Ich muss alles perfekt machen! Nö, das ist nämlich ganz schön anstrengend. Ein Beispiel: ich war bei einer artnight (ein Event, bei dem man in einer Gruppe malt, mit einem Künstler, der vorne vormalt) mit meiner besten Freundin und wir haben einen Flamingo gemalt. Während sie das Malen als Spielen betrachtet und einfach abwartet, was dabei rauskommt, muss Madame Sabine einen perfekten Flamingo produzieren. Was kam dabei raus? Ein Pferde-Flamingo – ein Kopf wie ein Flamingo und ein Hinterteil wie ein Ackergaul. Boah war ich sauer, weil es nicht so toll geworden ist. Am nächsten Tag habe ich dann gleich mit Acryl drüber gemalt, bis er so aussah, wie ich wollte. Ich muss nicht erwähnen, dass das Malen meiner Freundin mehr Spaß brachte als mir.

Ich sags Euch, das ist total nervig. Vor allem auch beim Sport. Ich habe vor zig Jahren für einen Halbmarathon trainiert. Und hätte nicht ein guter Freund mit trainiert und mich ständig in meinen Allerwertesten getreten, hätte ich wohl nicht durchgehalten. Der musste sich ständig anhören, dass ich nicht mehr kann – aber ich konnte! Mein Puls sagte mir, ich hab noch viel Luft nach oben und mein Inneres behauptete das Gegenteil. Das war dann beim Halbmarathon das Gleiche: ich bin gefühlt am Anfang geschlichen, weil ich total Angst hatte, dass ich sonst die Strecke nicht schaffe. Und so war ich die letzten 11,075 Kilometer schneller als die ersten 10 Kilometer. Natürlich habe ich es geschafft, und das sogar noch vor dem Besenwagen.

Überhaupt ist mein Unterbewusstsein auch der Tod meines Selbstbewusstseins. Ständig erzählt es, dass ich das nicht kann und jenes auch nicht. Und immer vergleicht es mit anderen. Aber natürlich nicht alles, sondern nur die Dinge, die andere besser machen oder können als ich. Die Freundin arbeitet Vollzeit und ich nur Teilzeit – ich Loser. Die andere Bekannte legt Wert auf gesunde Ernährung und ist nicht wie ich die Erste, die die Gummibärchen der Kids vernascht. Die Freundin hat immer einen super sauberen Haushalt. Und so weiter….. Hingegen wird total ignoriert, dass es auch viele Dinge gibt, die ich kann aber andere nicht. Das wiederum ist natürlich normal. Mein Verstand sagt schon immer, dass das extrem blödsinnig und völlig idiotisch ist. Der hat aber irgendwie bei mir im Alltag nicht das Sagen. Der steht total unter dem Fuchtel meines „Geistes“. Ich bin das lebendige Beispiel für die Tatsache, dass wir Menschen täglich zigtausend Dinge tun, die vom Unterbewusstsein gesteuert sind.

Die absoluteste Gemeinheit ist aber, dass das Unterbewusstsein Verneinungen ignoriert. Das ist sowas von dämlich und zum Beispiel der Grund, warum wir immer dann Hunger bekommen, wenn wir abnehmen wollen. Wir sagen uns: ich esse jetzt nichts! Und dann? Was macht der Geist dann? Er hört „Essen“ und los gehts mit der Nahrungsbeschaffung. So ist das immer! Ich sage mir dann manchmal, dass ich satt bin und dann lässt es sich damit ruhig stellen.

Leider „lernt“ mein Unterbewusstsein nicht wirklich. Man könnte ja meinen, dass erlebte Erfolge dazu führen, dass es zukünftig positiver und selbstbewusster unterwegs ist. Pustekuchen! In meinem Job zweifle ich bei jedem neuen Projekt erneut daran, dass ich das gewünschte Ergebnis zeitgerecht abliefere. Was soll ich sagen, ich liefere seit über 20 Jahren gewünschte Ergebnisse ab! Das ist meiner Versagensangst dummerweise häufig ziemlich egal.

Aber ich bin stetig am reflektieren dieser Merkwürdigkeiten und gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich die ein oder andere innere Stimme noch zum Schweigen bringe. Das gelingt mir immer besser und ich habe schon diverse Verhaltensänderungen bewirken können. Nicht dass Ihr denkt: warum weiß sie es und ändert nix? Ich kann einfach spontan raus gehen und was unternehmen und bei mir zu Hause sieht es aus, wie bei Hempels unter dem Sofa. Weil ich weiß, dass mir das gut tut und es mir danach besser geht. Und weil ich weiß, dass der Dreck auch nach meiner Unternehmung noch auf mich wartet.

Auch Dankbarkeit habe ich schon teilweise erfolgreich in mein Leben integriert und es hilft wirklich! Sich immer mal wieder bewusst machen, was alles gut läuft und warum man glücklich sein kann oder ist. Es soll wohl in der Regel 66 Tage dauern, bis neue Denk-Gewohnheiten ihren erfolgreichen Weg im Kopf gebahnt haben. Das konsequent durchzuhalten, ist schon eine Herausforderung!

Naja, ich könnte hier noch ewig weiter schreiben aber ich möchte hier niemanden überstrapazieren. Das Thema wird sicher nochmal in einem Beitrag auftauchen – schließlich beschäftigt es mich offensichtlich noch weiter. Es macht ja durchaus Spaß, sich weiter zu entwickeln. Vor allem wenn man merkt, dass es einem dann besser geht und man die Hintergründe so manchen Handelns verstehen lernt.

Was sagt denn Euer Unterbewusstsein so zu Euch? Könnt Ihr nachvollziehen, was ich hier für teilweise irres Zeug geschrieben habe?

2 Kommentare

  • Barbara

    Liebe Sabine,
    es ist unverschämt, dass du mich hier beschreibst. Bis auf die sportlichen Aktivitäten ging es mir so. 1:1.
    Nach einem sehr einschneidenden Erlebnis ruhe ich jedoch deutlich mehr in mir. Das tut so gut! Lass es laufen, das unterwewusste Bauchgefühl. Wir haben nur ein Leben!

    • sabsie66

      Liebe Barbara, ich hatte vor 10 Jahren mit meinem Burnout und anschließendem Klinikaufenthalt auch dieses einschneidende Erlebnis und mir geht es seit dem auch wesentlich besser und ich erkenne diese Muster viel schneller. Ganz herzliche Grüße Sabine

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